Kreatives Schreiben – Fortsetzungsgeschichte

Im Folgenden möchte ich euch gerne einen Einblick in meine Unterrichtseinheit zum Bilderbuch Tillie und die Mauer geben. Die Stunde zur Fortsetzungsgeschichte war meine Prüfungsstunde in einer 2. Klasse. 

Das Bilderbuch als Grundlage: Tillie und die Mauer von Leo Lionni

Bilderbücher sind den Kindern aus ihrer Lebenswelt bekannt und bieten einen hohen motivierenden Anreiz, entsprechende Leerstellen mit eigenen Schreibideen zu füllen.

Das Thema ist dem Kompetenzbereich Schreiben – Texte verfassen zuzuordnen. Im Verlauf der Grundschulzeit sollen die Kinder zunehmend eigenständig Schreibideen entwickeln und Verfahren des kreativen Schreibens anwenden (siehe Niedersächsisches Kerncurriculum 2017, S. 27).

Dadurch, dass sich die SuS in die Figuren des Buches hineinversetzen und mit ihrer eigenen Lebenswelt verbinden, wird ebenfalls der Kompetenzbereic Lesen – Texte erschließen angesprochen. 

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Eine Fortsetzungsgeschichte schreiben

In der Hinführung wird das Bilderbuch durch die Lehrkraft vorgelesen und die entsprechenden Bilder präsentiert. Das Vorlesen endet mit dem Bildimpuls auf den Seiten 17 und 18. Dieser soll die Kinder dazu anregen, Vermutungen über den Fortgang der Geschichte anzustellen. Die durch das Innehalten der Erzählung und den darauf folgenden Bildimpuls entstehende Leerstelle dient der Initiierung des anschließenden Schreibprozesses. Alternativ hätte das Bilderbuch auch durch eine inszenierte Lehrererzählung vorgestellt werden können (siehe Baligand, Heike 2009: Geschichten schreiben. Anleitung zum lustvollen Schreiben in der Grundschule. Braunschweig: Westermann. S. 38 ff.). 

Dies lässt aber das Potenzial des Zusammenspiels von Bild und Text im Bilderbuch ungenutzt, was gerade für SuS mit Schwierigkeiten beim Zuhören sehr hilfreich ist. Diese Assoziationen der SuS werden zunächst in Form eines Clusters an der Tafel festgehalten. 

Die gemeinsame Sammlung an der Tafel bietet den Vorteil, dass die Kinder in der Erarbeitungsphase auf diese zurückgreifen können. Als Alternative hätten in der Hinführung auch Kriterien erarbeitet werden können, anhand derer die SuS ihre Fortsetzungsgeschichte verfassen. Allerdings wurde sich gegen diese Eingrenzung entschieden, um den Kindern einen größeren Freiraum für die individuelle Entfaltung zu geben.

Die Erarbeitungsphase findet in Einzelarbeit statt, da Schreiben ein individueller Prozess ist (Vgl. Leßmann, Beate (2016): Individuelle Lernwege im Schreiben und Rechtschreiben. Dieck: Heinsberg. S. 11.)

Die Einleitung der Fortsetzungsgeschichte wird vorgegeben und an der Tafel verschriftlicht. Diese Vorgehensweise erleichtert schwachen SuS den Einstieg in den Formulierungsprozess ohne die starken SuS zu stark einzuschränken. Eine Haltestelle wird als als Differenzierung genutzt, da sie die Vorbereitung der Sicherung unterstützt und das Vorgehen den SuS sehr geläufig ist. Alternativ hätte dies auch nach einer gewissen Zeit mit festgelegten Partnern erfolgen können. Allerdings bietet die Haltestelle den großen Vorteil, dass die SuS in ihrem eigenen Tempo arbeiten können. Die Wartezeit wird zur Vorbeugung von Unruhe durch das genaue Durchlesen des eigenen Textes überbrückt.

Die digitale Tippstation.

Als Differenzierung habe ich eine digitale Tipp-Station zur Verfügung gestellt. Je nach Problem können die SuS drei verschiedene Stationen anfahren. Station 1 dient der Ideenfindung. Dort finden sich ein paar Bilder von Tillie in verschiedenen Situationen. Einmal kommt sie auf einem Fußballfeld heraus, ein andern mal auf einer Wiese, auf der sie einen netten Mäuse-Mann trifft usw.

Bei Station 2 unterstützen verschiedene Satzanfänge bei der Strukturierung des Textes.

Station 3 enthält visuelle Impulse zur Findung weiterer Schreibideen. Was sieht Tillie?  Wen trifft Tillie? Wie fühlt sich Tillie?

Mit einem ritualisierten Lied wird die Erarbeitung beendet und gleichzeitig die Sicherung eingeleitet. Die Sicherung dient der Präsentation und Würdigung der Ergebnisse der Kinder und ermöglicht, sich vertieft mit dem Inhalt auseinanderzusetzen, denn „das Vorlesen und Besprechen der kreativen Texte in der Gruppe fördert in besonderem Maße die Reflexion des Schreibprozesses“ (Böttcher, Ingrid 2010: Kreatives Schreiben. Berlin: Cornelsen. S. 19.)

Das Zusammenkommen im Bänkekreis verstärkt zudem die Aufmerksamkeit der SuS durch die räumliche Nähe zur LiV und zum Vortragenden. Um das aktive Zuhören einzufordern, erhalten die zuhörenden Kinder Höraufträge. Präsentierende Kinder nehmen auf dem Vorlesestuhl Platz und lesen ihre Fortsetzungsgeschichte zwei Mal vor, was einem besseren Verständnis dient. In einer anschließenden Reflexionsphase erhalten die Kinder die Möglichkeit, die Situation Tillies zu bewerten und auf ihre eigene Lebenswelt zu beziehen.



Aufbau der Einheit

  • Cover betrachten, Vermutungen äußern
  • vorlesen bis zur ausgewählten Stelle
  • Vermutungen über den Fortgang der Geschichte äußern
  • eine Fortsetzungsgeschichte schreiben
  • Fortsetzungsgeschichten präsentieren und Höraufträgen entsprechend Rückmeldung geben
  • Stellung zu Tillies Verhalten beziehen
  • anhand der Fortsetzungsgeschichten aus der letzten Stunde Kriterien für eine gelungene Fortsetzungsgeschichte erarbeiten 
  • über den Rand hinaus schreiben als Methode der Textüberarbeitung kennenlernen
  • Fortsetzungsgeschichten überarbeiten
  • erstellen ein eBook zu Tillies erlebten Abenteuern, indem sie ihre Geschichten in die App BookCreator unter Berücksichtigung der zuvor erarbeiteten Verbesserungsvorschläge übertragen.
  • reflektieren über den Nutzen der Methode Über den Rand hinaus schreiben.
  • sammeln Ideen für den Anfang und das Ende des eBooks und verfassen einen gemeinsamen Text.
  • reflektieren über Vor- und Nachteile der App BookCreator in Bezug auf das Schreiben von Geschichten.
  • Ende des Buches kennenlernen
  • begründet Rückmeldung zum Bilderbuch und der Unterrichtseinheit geben
Cover Kreatives Schreiben Tillie und die Mauer
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Briefe schreiben mit dem Löwen

Im Folgenden möchte ich euch gerne einen Einblick in meine Unterrichtseinheit zum Thema Briefe schreiben in einer 2. Klasse geben. Auch wenn das Briefeschreiben heutzutage nicht mehr so geläufig ist wie früher, haben Briefe als Möglichkeit der Selbstmitteilung eine große lebensweltliche Relevanz für die Kinder. Sie kennen Briefe aus ihrem (außer-)schulischen Alltag (Briefe an die Eltern, Mitteilungen der Eltern an Lehrer, etc.). Auch wenn der traditionelle persönliche Brief an Bedeutung verliert, dient er als Exemplar für die neuere Art der Kommunikation wie z. B. durch Emails. 

Das Bilderbuch als Grundlage: Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte

Für das Thema Briefeschreiben habe ich das Buch vom Löwen, der nicht schreiben konnte verwendet und die Kinder haben es geliebt. 

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Eigene Briefe schreiben

Die Kinder können eigene Briefe schreiben. In meinem Material bei Lehrermarktplatz findest du auch Briefmarken, die die Kinder auf die Briefumschläge kleben können. Ich habe die Briefmarken auf so ein Sticker-Papier gedruckt. Meine Schneidemaschine kann auch wellenförmig ausschneiden, was dafür super praktisch war! 🙂


Das Papier habe ich bei Amazon bestellt. Das hält echt lange und kann auch für alle möglichen Sachen benutzt werden. Ich habe es zum Beispiel auch genutzt, um Anmerkungen auf die Hefte der Kinder zu kleben, Sachen zu beschriften, eigene Sticker drauf zu drucken usw. Hier findest du das Papier, was ich bestellt habe:

 

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Aufbau der Einheit

Zunächst haben wir nach einem Einstieg einen Brief aus der Sicht der Mistkäfers geschrieben. Dabei wurden auch schon die Kriterien beachtet. Daraufhin wurden zunächst einmal Infos über den Löwen gesammelt, damit in Stunde 5 ein Brief an die Löwin geschrieben werden konnte. Abschließend wurde noch eine Antwort der Löwin verfasst. 

Zusammenfassend muss ich sagen, dass mir bisher wenige Einheiten so viel Spaß gemacht hat wie diese Einheit – und den Kindern glaube ich auch! 🙂

Materialpaket Briefe schreiben
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  • Cover betrachten, Vermutungen äußern
  • über Vorerfahrungen sprechen
  • vorlesen bis zum Affen
  • Vermutungen äußern, warum der Löwe unzufrieden mit dem Brief vom Affen ist
  • Kriterien Brief erarbeiten
  • bisherigen Verlauf der Geschichte nacherzählen
  • Schreibideen für den Brief des Mistkäfers sammeln (MindMap)
  • Schreibideen für den Brief aus der Sicht des Mistkäfers entwickeln
  • Brief an die Löwin aus der Sicht des Mistkäfers schreiben
  • Informationen über den Löwen sammeln (MindMap)
  • Informationen auf Plakaten vorstellen
  • weiteren Verlauf des Buches kennenlernen
  • adressatengerechten Brief vom Löwen an die Löwin schreiben
  • dabei formale Kriterien und inhaltsbezogene Kriterien beachten
  • kriterienorientiert Stellung zu den Briefen der Mitschüler nehmen
  • Ende des Buches kennenlernen
  • Brief aus der Sicht der Löwin schreiben

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Bilderbücher im Deutschunterricht – Mutig, mutig

Wenn du vorliest, fühlt es sich gar nicht an wie Deutsch, auch wenn wir danach was schreiben müssen.”

Bilderbücher im Unterricht bieten viel Potenzial. Egal ob weiterschreiben, Standbilder, umschreiben, Sprechblasen erstellen,… es gibt zahlreiche Möglichkeiten. Heute möchte ich auch ein schönes Bilderbuch vorstellen, was ich bereits im Studium im Vorbereitungsseminar für unsere Praxisphase kennengelernt habe:

Maus, Frosch, Schnecke und Spatz langweilen sich zusammen am Ufer des Weihers. Aus der Langeweile heraus kommt ihnen die Idee, einen Wettkampf zu machen, wer der Mutigste unter ihnen ist. Die Maus beginnt mit ihrer Mutprobe und taucht zum anderen Ufer und wieder zurück, woraufhin der Frosch etwas enttäuscht ist, weil für ihn das Ganze gar nichts mit Mut zu tun hat. Dann ist der Frosch dran. Er stellt seinen Mut unter Beweis, indem er eine ganze Seerose isst, woraufhin die Schnecke enttäuscht ist. So geht es weiter, bis der Spatz an der Reihe ist. Alle schauen ihn gespannt an. Der Spatz zögert und stammelt etwas vor sich hin. Bis er letztendlich sagt: „Ich mach nicht mit!“
Die anderen Tiere sind verdutzt. Nach einer Weile begreifen sie… Das ist Mut!

Eine schöne Geschichte mit tollen Zeichnungen.
Im Unterricht bietet es sich beispielsweise an, das Buch zu lesen, bis Maus, Frosch und Schnecke ihre Mutproben gemacht haben. Die Kinder können dann z.B. die Geschichte weiterschreiben, indem sie sich die Mutprobe des Spatzes überlegen. Dabei kann sich als Hilfestellung an der Struktur des vorhergehenden Textes orientiert oder aber der Text auch frei verfasst werden.
Die Konfrontation mit dem tatsächlichen Ende der Geschichte ist durch das Innehalten während der Geschichte und das eigene Verfassen eines möglichen Fortgangs der Geschichte intensiver, überraschend und bieten viel Potenzial, über das Thema Mut zu sprechen.